Search

Geh Raus

‘Und er sprach: Komm her!‘ Matthaeus 14:29


Eine der am meisten verbreitetsten Erzählungen der Bibel, ist die Geschichte, wie Jesus über Wasser lief. Nachdem er 5000 Männer, Frauen und Kinder versorgt hatte, sagte Jesus den Jüngern nun, sie sollen in ein Boot steigen und das Galiläische Meer überqueren. In der Nacht gibt es einen starken Sturm und sie sehen auf einmal, wie ihnen jemand auf dem Wasser entgegenläuft. Sie schreien vor Angst, weil sie nicht wissen was das zu bedeuten hat. „Keine Angst, ich bins“ sagt Jesus. Petrus sagt: „“Wenn du es wirklich bist, Herr, dann sag mir, dass ich auf dem Wasser zu dir laufen soll.“ Jesus fordert ihn auf. „Komm!“ Petrus steigt aus dem Boot und läuft auf dem Wasser. Als er den Blick von Jesus abwandte, bekommt er Angst und fängt an zu sinken. Sofort streckte Jesus seine Hand aus, fasste Petrus und sagte: »Du hast zu wenig Vertrauen! Warum hast du gezweifelt?« Dann stiegen beide ins Boot, und der Wind legte sich. Die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder und riefen: »Du bist wirklich Gottes Sohn!«


Was ein Jahr doch so ausmacht…


Vor einem Jahr fühlte ich mich entmutigt, niedergeschlagen und depressiv. Ich hatte das Gefühl, dass selbst die Leute, die mir am nähesten waren, mich aufgegeben hatten. Mit dem Football lief es nicht richtig. Meine Träume schienen sich in Luft aufzulösen und ich näherte mich der traurigen Gewissheit, meinen Helm und die Shoulderpads an den Nagel zu hängen. In North Dallas hatte ich einen Job in einer Kanzlei angenommen, der mir ein paar Erfahrungswerte brachte. Sollte mir das liegen, würde ich beschließen eine schulische Ausbildung zu machen. In der kurzen Zeit, in ich in der Kanzlei arbeitete, wurde ich rasch befördert und die Dinge wendeten sich zum Guten.


Randnotiz: Nur weil du gut in etwas bist, bedeutet das nicht, dass es deine Bestimmung ist und dass es dich glücklich machen wird!


Du musst erst zu einem Punkt der spirituellen Reife kommen, an dem du dich mehr deiner Bestimmung verpflichtet fühlst, als deinen alltäglichen Aufgaben.


Jedenfalls hatte ich immer noch das Gefühl, mich in Form halten zu müssen. Und das tat ich auch.


Das Büro hatte ein Fitnessstudio in welchem ich dann trainierte. Da gab es zwar nicht viel, aber ich stand trotzdem gegen 3:30 Uhr auf, damit ich etwa gegen 4 Uhr aus dem Haus war, um dann gegen 5 Uhr dort anzukommen und an meiner Form zu arbeiten. Mit Sonnenaufgang gegen 7:30 Uhr, war ich fertig mit dem Training, duschte und ging zur Arbeit- teilweise bis 8 Uhr. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, kletterte ich über den Zaun einer Schule in der Nähe, um auf deren Sportanlage Runden zu laufen und Football Drills zu üben. Es spielte für mich keine Rolle, ob es regnete, hagelte oder schneite. Ich lief an den Tagen, an denen ich laufen sollte, unabhängig vom Wetter. Und dann habe ich jeden Tag, nachdem ich geduscht hatte, noch 25 Mail an NFL oder CFL Coaches geschrieben. So verrückt es auch klingen mag, aber ich habe sogar mein Highlight-Tape an deren Frauen und Kinder geschickt und ihnen gesagt, sie sollen es an ihre Väter weitergeben. Ich wusste ja, dass die Postfächer der Coaches überfüllt sein würden. Dennoch habe ich Ausdauer bewiesen, als ob ich tief im Inneren gewusst hätte, dass man nur zu dieser spirituellen Reife kommt, wenn sich auf seine Bestimmung konzentriert und (egal was ist) über sich hinauswächst.


Wenn ich an die Zeit zurückdenke, wäre ich gar nicht in der Lage gewesen das zu sagen, weil ich zu so viel Stolz hatte. Aber genau an diesen Morgen und Abenden, habe ich mir Predigten und Gospelmusik angehört. Ich betete und habe Gott Fragen gestellt.


Und ich hab geweint, geweint und nochmals geweint.


1.Januar 2019:

Ich hatte keine Tränen mehr.


Um mit allem umgehen zu könne, fing ich an zu schreiben. Ich fing an mich mit dem Wort ‘warten‘ zu beschäftigen und fand heraus, dass es ‘das Verbleiben in einer Position von Erwartungen‘ bedeutet. Ich sah schwangere Frauen, welche schon Windeln, ein Gitterbett und Fläschchen kauften, in Erwartung auf die Geburt ihres Babys.


Und da hatte ich es auf einmal verstanden.


Am nächsten Tag ging ich zur Arbeit und sagte, dass ich kündigen will, weil ich einen Vertrag unterschrieben hätte, um professionell American Football zu spielen. Das einzige Problem war nur: Ich hatte nichts unterschreiben. Und nun hatte ich nicht mal mehr einen Job. Trotzdem blieb ich hartnäckig. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch kein NFL- oder CFL Team gefunden, die mir eine Chance gaben, ich war schließlich seit einem Jahr vom College weg. Deswegen hatte ich auch keine aktuellen Videos von mir.


Ich begann also nach anderen Ligen Ausschau zu halten, in denen ich übergangsweise spielen könnte, um so Filme zu bekommen und dann damit weiterzumachen. Und so fand ich die German Football Leaque.


Mittlerweile schrieb ich 50 E-Mails am Tag.


Und seit ich keinen Job mehr hatte, hatte ich die Zeit mich vollkommen auf mein Training zu konzentrieren und mich auf den Vertrag vorzubereiten, den ich unterschreiben sollte.


Und DAS war ein ganz schön großes Risiko.


Während ich schon viele Menschen mit unterschiedlichem Werdegang, getroffen habe, fiel mir auf, dass die wenigsten Menschen noch Risiken eingehen. Aber warum ist das so? …weil es riskant ist. Jeder Mensch möchte die Kontrolle über sein Leben behalten. Keiner mag Überraschungen und unerwartete Wendungen. Alle richten sich nach Terminplanern, wollen immer pünktlich sein und sind selbst frustriert, wenn andere es nicht sind und eher ‘spiritueller‘ unterwegs sind.


Unglücklicherweise verpassen diese Menschen die Chance die Wegweiser ihres Lebens zu ändern, weil ja alles immer wie geschmiert laufen muss oder sie weigern sich, sich selbst zu erkennen. Manche Möglichkeiten scheinen einfach zu verrückt für sie zu sein.


Und dann sind da noch die Menschen mit GROßEM Vertrauen (big faith-ers).


Die big faith-ers sind diejenigen, die wie Petrus sind. Diejenigen, die verrückt genug sind um zu glauben, dass Gott vielleicht (aber auch nur vielleicht) etwas spezielles für sie vorgesehen hat, wenn sie gewollt sind ihm zu vertrauen und aus dem Boot zu steigen. Egal wie bescheuert sie auch erscheinen mögen. Diese Art von Menschen kümmert es nicht, ob sie vor den Augen anderer versagen könnten. Sie wissen auch, dass sie nicht mehr ‘besonders‘ sind als andere, sondern weigern sich stillzustehen und haben einfach die Eier in der Hose, um dem Gesetz der Gravitation und des Auftriebs zu trotzen.


Ich kann mich mit Petrus so sehr identifizieren. Gottesfürchtig, aber rebellisch. Er lehnt sich nicht zurück und lässt das Leben auf sich zukommen. Er sagt sich ‘Hey, wenn Gott auf dem Wasser gehen will, dann versuche ich das einfach auch mal. Denn ich möchte dort sein, wo mein Herr ist.‘ An diesem Punkt hat sich meine Denkweise verändert. Mit einem perfekten 17 zu 0 Rekord!!!


Oktober 2019


Aus dem Boot zu steigen hat mir ermöglicht, die 7 spaßigsten Monate in meinem Leben bis dato zu haben. Viele reisen nach Europa, um dort Geld auszugeben. Stattdessen bin ich nach Europa gekommen, um Geld zu verdienen und auch noch den Sport zu machen, den ich liebe! Ich hatte das Vergnügen verschiedenste Teile von Deutschland zu besuchen. Ich reiste nach Paris, nach Amsterdam und auch nach Italien. Ich fand viele neue Freunde, die mich gepushed haben, um noch mehr ich selbst zu werden. Und ‘last but not least‘: begleitete ich eines der besten Teams von Europa. Es war mir möglich einen großen Anteil zu leisten, um dieses Jahr den German Bowl nach Hause zu nehmen.


Wenn man es von außerhalb betrachtet, bin ich auf dem Wasser gelaufen. Aber da waren sehr viele Phasen, in denen ich vom Wind und den Wellen abgelenkt wurde und in denen ich meine Augen von Gott abgewandt habe. Und jedes Mal, wenn ich das tat, begann ich zu versinken. Aber in der Mitte dieses Sturms, war ich niemals so weit von ihm entfernt, dass er nicht hätte eine Hand mir reichen können, um mich wieder zu ihm hochzuziehen.


Und das bis du auch nicht.


In der Regel sagt dir keiner, was du tun solltest. Jesus sagte nur eins: „Komm her!“ Vielen ist in dieser Geschichte gar nicht klar, dass es das Einzige ist, was er sagt. Er sagte nicht ‘Petrus, komm her!‘ oder ‘drei der Jünger können kommen‘. Jeder von ihnen war aufgefordert dem Wunder beizuwohnen. Aber wie die Jünger, sind viele von uns zu ängstlich um etwas zu riskieren, weil sie davon ausgehen, dass sie Gottes Stimme nicht hören können. Deshalb flüchten wir uns in den Glauben, dass Gott nur in dem Leben anderer wirkt und dort arbeitet, obwohl es eigentlich so ist, dass wir es sind, die nur den ersten Schritt machen müssen. Stattdessen bleiben wir einfach in unsere Komfortzone, in der wir Zeuge davon werden, wie andere das erreichen, was wir uns selbst gerne als Ziel gesetzt hätten. Dann lachen wir und versuchen Freunden und Familienmitgliedern, die sich aus dem Boot wagten, ihrer Freude zu berauben. Das machen wir, indem wir ihnen negative Sachen sagen, an ihnen dranbleiben und hoffen, dass sie versagen, damit man hinterher sagen kann ‘Das hab ich doch gleich gesagt‘.


Ich bin mir nicht sicher, welche Art von Sturm dein Boot rüttelt. Mag sein, dass du Fehler in deinem Leben gemacht hast und nun woanders gelandet bist. Mag sein, dass du nicht im besten Umfeld aufgewachsen bist. Mag sein, dass du dich als Kind ungeliebt gefühlt hast und nun deine Sicherheit in Drogen oder Materiellem gefunden hast. Vielleicht hast du wenig Selbstbewusstsein was deine Fähigkeiten und deinen Selbstwert angeht, weil dir jemand aus der Familie etwas angetan hat. Ich weiß nicht, was du für Probleme hast, aber resultierend daraus magst du dich so fühlen, als würdest du es nicht verdienen, dass dir gute Sachen passieren. So, als ob du nicht aus dem Boot kannst, weil du so am Arsch bist, dass Gott dich einfach nicht gebrauchen kann. Das bringt dich dazu, es als normal anzusehen, wenn etwas schief geht. Deinen verhassten Job zu kündigen und ein Unternehmen zu gründen, scheint demnach erschreckend. Genauso erscheint es bei der von Missbrauch gezeichneten Beziehung, in der dein Ehepartner alle Rechnungen bezahlt. Und genauso ist es, wenn man außerhalb der Norm wieder die Schulbank drücken könnte, um seinen Abschluss nachzuholen. Oder seine Fachrichtung zu ändern, wenn es nicht das ist, was einen erfüllt. Du weißt schon, das was nicht so viel Geld bringt? All diese Szenarien beinhalten eine große Menge an Risiko. Aber das, was sich an Investition deiner Mühen nachher auszahlt, ist um ein Vielfaches höher. Das Ding ist, dass du es niemals wissen wirst, wenn du nicht versucht hast auf dem Wasser zu gehen.


Ich rede hier über ‘aus dem Boot kommen‘. Aber mal ganz ehrlich: Petrus hat nicht Recht gehabt und die Jünger haben sich auch nicht falsch verhalten. Denn die Männer, die im Boot geblieben sind haben ein großartiges Leben geführt und genauso besondere Dinge vollbracht. Hier geht es um folgendes: Wir können lebensverändernde Begegnungen verpassen, indem wir auf Gottes Wunder warten ohne jemals unser Vertrauen aufgebaut zu haben oder uns an Vorsätze zu halten. Am Ende des Tages müssen wir uns dafür entscheiden, ob wir physisch aus dem Boot steigen wollen oder sitzen bleiben. Das ist aber nicht das lobenswerteste. Am meisten zu loben wäre die Tatsache IHM zu erlauben uns dort zu treffen, wo WIR sind.


Wir müssen einfach nur den Mut haben.


STEIG AUS

41 views